Pichler Rechtsanwalt GmbH

Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters bei Insolvenz

Startseite  •  Aktuelles  •  06.06.2026

Ausgleichsanspruch bei Insolvenz: Der Wert des Kundenstocks

Eine Insolvenz schließt den Ausgleichsanspruch eines Handelsvertreters nicht allein deshalb aus, weil der Geschäftsbetrieb bereits eingestellt wurde. In OGH 9. September 1999, 8 ObS 183/99s war zu klären, ob aus dem Kundenstock noch erhebliche Vorteile erzielbar gewesen wären.

Der damalige Fall

Ein Handelsvertreter hatte Leuchten vertrieben. Nach der Konkurseröffnung über seine Vertragspartnerin verlangte er unter anderem Insolvenz-Ausfallgeld für einen behaupteten Ausgleichsanspruch. Die Vorinstanzen wiesen diesen Teil seines Begehrens ab, weil der Betrieb bereits eingestellt und eine Veräußerung des Kundenstocks nicht erwiesen war.

Was stellte der OGH klar?

Es kommt nicht ausschließlich auf tatsächlich realisierte Vorteile an. Auch die Möglichkeit, aus den aufgebauten Geschäftsverbindungen erhebliche Vorteile zu erzielen, kann relevant sein. Dass ein Verkauf des Kundenstocks nicht nachgewiesen war, beantwortete noch nicht die Frage nach dessen Verwertbarkeit, etwa bei einer Unternehmensveräußerung.

Der OGH hob die Urteile auf und verlangte eine Ergänzung des Verfahrens. Er sprach dem Handelsvertreter damit noch keine bestimmte Ausgleichszahlung zu. Der Vertreter musste die von ihm zugeführten oder erweiterten Kundenbeziehungen und die Geschäftsabschlüsse belegen; die Gegenseite hatte fehlende tatsächliche und mögliche Vorteile nachzuweisen.

Ausgleichsanspruch und Insolvenzentgelt getrennt prüfen

Die Entscheidung betraf beim Insolvenz-Ausfallgeld eine ausdrücklich noch anwendbare historische Gesetzesfassung vor der IESG-Novelle 1997. Aus dem damaligen Verfahren folgt deshalb keine allgemeine heutige Absicherung selbständiger Handelsvertreter durch den Insolvenzentgelt-Fonds. Ob ein Anspruch besteht, gegen wen er geltend zu machen ist und welche Sicherung greift, muss nach der konkreten Vertrags- und Insolvenzlage beurteilt werden.

Vorbereitung Ihrer Anfrage

Relevant sind der Vertrag, das Beendigungsdatum, Provisionsabrechnungen, Angaben zum Kundenstock und vorhandene Informationen zum Insolvenzverfahren. Den allgemeinen Prüfungsrahmen erläutert unsere Seite zum Ausgleichsanspruch für Handelsvertreter.


Probleme im Vertriebsrecht? Wir beraten Sie.

Unsere Rechtsanwaltskanzlei in 1010 Wien berät Hersteller, Importeure, Handelsvertreter, Vertragshändler und Franchisenehmer in allen Fragen des Vertriebs- und Handelsrechts. Beratungstermin vereinbaren oder anrufen: 01/513 07 00.

Dr. Clemens Pichler

Rechtsanwalt · Vertriebsrecht, Handelsvertreterrecht & Wirtschaftsrecht in Wien

Dr. Clemens Pichler ist eingetragener Rechtsanwalt in Wien und Gründer der Pichler Rechtsanwalt GmbH mit Kanzlei in 1010 Wien. Er berät Hersteller, Importeure, Handelsvertreter, Vertragshändler und Franchisenehmer in allen Fragen des Vertriebs- und Handelsrechts – von der Vertragsgestaltung über Provisions- und Ausgleichsstreitigkeiten nach § 24 HVertrG bis zu Wettbewerbsverboten und kartellrechtlichen Vertriebsfragen.

Seit der Kanzleigründung im Jahr 2008 hat Dr. Pichler bereits hunderte Mandanten in Vertriebs- und Handelsrechtssachen vertreten und Vertriebsstreitigkeiten vor österreichischen Wirtschaftsgerichten abgewickelt – sowohl auf Hersteller- als auch auf Vertreter-/Händler-Seite.

Er ist Autor zahlreicher juristischer Fachpublikationen, unter anderem im Österreichischen Anwaltsblatt, den Fachzeitschriften ecolex und Recht der Wirtschaft sowie Gastautor in den Tageszeitungen Die Presse und Der Standard. Seine wissenschaftlichen Aufsätze werden vom Obersten Gerichtshof (OGH) zitiert.

📍 Adresse 1010 Wien
✉ E-Mail office@anwaltskanzlei-pichler.at
🔗 Web rechtsanwalt-vertriebsrecht.at
📞 Telefon 01/513 07 00

Kontakt

Erstberatung anfragen

60 Minuten persönliches Gespräch in der Kanzlei Wien oder per Videokonferenz. Rechtsschutz oder Selbstzahler. Ein Mandatsverhältnis kommt durch die Anfrage noch nicht zustande, es entstehen Ihnen keine Kosten.

Telefon: +43 1 513 07 00
E-Mail: wien@anwaltskanzlei-pichler.at

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner